Crowdinvesting ermöglicht es vielen Anlegerinnen und Anlegern, sich gemeinsam an Finanzierungsprojekten zu beteiligen. Obwohl der Begriff häufig verwendet wird, bleiben die zugrunde liegenden Strukturen, Rollen und Risiken für viele unklar. Ein grundlegendes Verständnis dieser Elemente ist jedoch entscheidend, um Angebote realistisch einordnen zu können.
Die beteiligten Rollen – Im Crowdinvesting gibt es drei zentrale Akteure
Investoren stellen Kapital zur Verfügung und tragen das wirtschaftliche Risiko der Investition. Sie entscheiden eigenverantwortlich, ob und in welches Projekt sie investieren.
Projektinitiatoren (auch Emittenten genannt) nehmen das Kapital auf, um ein konkretes Vorhaben zu finanzieren, etwa ein Immobilienprojekt oder ein Unternehmenswachstum.
Plattformen fungieren als Vermittler. Sie stellen die technische Infrastruktur bereit, organisieren den Investitionsprozess und sorgen für die Bereitstellung der gesetzlich vorgeschriebenen Informationen, ohne selbst wirtschaftliche Garantien zu übernehmen.
Typische Strukturen und Instrumente
Crowdinvesting erfolgt über unterschiedliche Finanzierungsinstrumente, etwa Darlehen, nachrangige Darlehen, Anleihen oder Beteiligungsmodelle. Welches Instrument zum Einsatz kommt, beeinflusst maßgeblich die Rechte der Investoren, die Rangfolge im Insolvenzfall und die Art der möglichen Erträge. Unabhängig vom Instrument gilt jedoch: Crowdinvesting ist in der Regel langfristig angelegt und nicht mit der Flexibilität klassischer Bankeinlagen vergleichbar.
Welche Risiken bestehen?
Crowdinvesting ist mit Risiken verbunden, die nicht durch Regulierung aufgehoben werden können. Dazu zählen insbesondere das Ausfallrisiko eines Projekts, Verzögerungen bei Rückzahlungen oder der vollständige Verlust des investierten Kapitals. Auch wenn regulatorische Vorgaben Transparenz schaffen, ersetzen sie keine wirtschaftliche Prüfung. Investoren tragen stets die Verantwortung für ihre Investitionsentscheidung.
Reguliert, aber nicht risikofrei
In Europa unterliegt Crowdinvesting klaren regulatorischen Rahmenbedingungen. Diese regeln vor allem Prozesse, Informationspflichten und den Anlegerschutz auf formaler Ebene. Sie gewährleisten jedoch keine wirtschaftliche Qualität einzelner Projekte und bieten keine Rendite- oder Rückzahlungsgarantien. Regulierung schafft Struktur und Vergleichbarkeit, nicht Sicherheit im wirtschaftlichen Sinne.
Abgrenzung zu Crowdfunding
Der Begriff Crowdfunding wird im Alltag häufig synonym verwendet, bezeichnet jedoch ursprünglich andere Modelle, etwa Spenden- oder Gegenleistungsfinanzierungen ohne finanziellen Rückzahlungsanspruch. Crowdinvesting unterscheidet sich dadurch, dass Investoren eine finanzielle Gegenleistung erwarten und ein wirtschaftliches Risiko eingehen. Die begriffliche Unterscheidung hilft, Erwartungen realistisch einzuordnen.
Crowdinvesting kann eine sinnvolle Ergänzung im Finanzierungsmix und im eigenen Portfolio sein – vorausgesetzt, die zugrunde liegenden Rollen, Strukturen und Risiken werden verstanden und bewusst berücksichtigt.