Wer über eine Crowdinvesting-Plattform, wie z.B. Kazpar, investiert, beteiligt sich nicht einfach „an einem Projekt“. Rechtlich gesehen schließt der Anleger einen Vertrag ab und genau diese Struktur entscheidet darüber, welche Rechte, Pflichten und Risiken bestehen. Daher lohnt sich ein genauer Blick.
1. Welche rechtliche Form hat ein Investment?
In vielen Fällen, insbesondere im Immobilienbereich, erfolgt das Investment in Form eines Darlehens. Das bedeutet, dass der Anleger Kapital zur Verfügung stellt, das zu einem festgelegten Zeitpunkt zurückgezahlt werden soll, häufig zuzüglich einer vereinbarten Verzinsung.
Je nach Struktur kann es sich dabei handeln um:
• ein klassisches Darlehen
• ein partiarisches Darlehen (mit gewinnabhängiger Komponente)
• ein qualifiziert nachrangiges Darlehen
Entscheidend ist nicht nur die Verzinsung, sondern die Rangstellung im Insolvenzfall.
2. Was bedeutet „nachrangig“?
Der Begriff „nachrangig“ beschreibt die Reihenfolge der Rückzahlung, falls ein Projekt oder Unternehmen zahlungsunfähig wird.
Im Insolvenzfall gilt grundsätzlich folgende Reihenfolge:
1. Banken und vorrangige Gläubiger
2. Lieferanten, öffentliche Forderungen etc.
3. Nachrangige Darlehensgeber (z. B. Crowd-Investoren)
Nachrangig bedeutet also:
Crowd-Investoren werden erst bedient, nachdem alle vorrangigen Gläubiger vollständig befriedigt wurden. Ist nach Bedienung dieser Gläubiger kein Vermögen mehr vorhanden, kann es zu einem vollständigen Kapitalverlust kommen. Das ist kein Sonderfall, sondern integraler Bestandteil der Struktur.
3. Was heißt „qualifiziert nachrangig“?
Bei einem qualifizierten Nachrang geht die Regelung noch weiter. Hier ist vertraglich festgelegt, dass Rückzahlungen auch außerhalb eines Insolvenzverfahrens nur erfolgen dürfen, wenn dadurch keine Zahlungsunfähigkeit des Projektträgers entsteht. Das dient der bilanziellen Eigenkapitalnähe, erhöht aber gleichzeitig das Risiko für den Anleger.
4. Und was ist mit Sicherheiten?
Manche Projekte sehen Sicherheiten, wie etwa Grundschulden, Abtretungen und/oder Bürgschaften vor. Wichtig ist jedoch: Auch Sicherheiten unterliegen der Rangfolge. Ist beispielsweise eine Bank erstrangig im Grundbuch eingetragen, wird sie im Verwertungsfall zuerst bedient. Sicherheiten reduzieren Informationsunsicherheit, sie eliminieren jedoch kein unternehmerisches Risiko.
5. Warum ist diese Struktur üblich?
Crowdinvesting wird häufig als Ergänzung zu Bankfinanzierungen eingesetzt. Da Banken in der Regel vorrangig abgesichert sind, verbleibt für Crowd-Investoren häufig eine nachrangige Position. Diese Struktur ermöglicht Projekte, sie bringt jedoch ein erhöhtes Risiko mit sich, das bei der Investitionsentscheidung bewusst berücksichtigt werden sollte.
6. Was bedeutet das für Anleger?
Ein Crowdinvestment ist kein Sparprodukt. Es ist eine unternehmerische Beteiligung in Form eines strukturierten Finanzinstruments mit klar definierten Chancen und Risiken.
Eine transparente Darstellung der rechtlichen Struktur hilft dabei:
• Erwartungen realistisch einzuordnen
• Risiko bewusst zu bewerten
• Projekte besser vergleichen zu können
Die Entscheidung zu investieren sollte immer auf Basis eines vollständigen Verständnisses der Vertragsstruktur erfolgen.